Interview zu „Postcolonial Studies“

12.01.2026

Interview mit den Autoren von „Postcolonial Studies“

Buch "Postcolonial Studies" schwebend auf der linken Seite des Bildes. Portraits von den Herausgebern nebeneinander. Links Herr Prof. Dr. Zajas und rechts Herr Prof. Dr. Uffelmann.

Erste Einführung in die Postcolonial Studies als weltumspannende Literaturtheorie

Die Verfasser, Prof. Dr. Dirk Uffelmann und Prof. Dr. Paweł Zajas, kommen mit dem Verlag ins Gespräch. In ihrer Neuerscheinung Postcolonial Studies beschäftigen sie sich mit der Frage: „Was macht kulturelle Fremdherrschaft mit den Unterdrückten?”. Dabei handelt es sich um eine Einführung in die literaturwissenschaftlichen Postcolonial Studies, die erstmals Beiträge von allen Kontinenten einbezieht und globale politische Debatten berücksichtigt. Erfahren Sie mehr über die Autoren und den Band im Interview:

Sie integrieren Beiträge von allen Kontinenten. Nach welchen Kriterien haben Sie entschieden, welche Themen und regionalen Schwerpunkte in den Band aufgenommen werden – und wie sind Sie dabei vorgegangen, die Fülle an Material zu strukturieren?

„Die Postcolonial Studies bieten einen Strauß an theoretischen Konzepten an, bspw. Orientalismus, Hybridisierung oder epistemische Gewalt. Die Kapitel in unserem Band stellen jeweils verwandte Konzepte aus verschiedenen Kontexten vor und zeigen, wie sich koloniale Dominanz und deren postkoloniales Fortwirken auf vergleichbare Weise ausprägt.“

Für welche Zielgruppen ist dieser Band aus Ihrer Sicht besonders relevant, und warum?

„Unser Band wendet sich an Leser:innen aus allen kulturwissenschaftlichen Fächern, Studierende genauso wie Forscher:innen, die Interesse haben an einem transkulturell vergleichenden Blick auf die Auswirkungen von Machtgefällen auf die Kultur.“

Welche Herausforderung, Überraschung oder welcher besonders erfreuliche Moment hat Sie beim Verfassen des Werks am stärksten geprägt?

„Wir waren überrascht, wie groß die Schnittmengen zwischen ganz unterschiedlichen Kontexten und Ländern sind. Es ist mit den Händen zu greifen, dass die Phase des Kolonialismus mit der Dekolonisierung nach dem Zweiten Weltkrieg mitnichten vorüber ist, sondern dass imperiale und rassistische Denkmuster immer wieder und weiter hochgespült werden.“

Welche Aspekte der aktuellen globalen Debatten – etwa zu Restitution, Dekolonisierung oder Konflikten wie in Israel und Gaza – waren Ihnen besonders wichtig in die Einführung einzubeziehen?

„In unserer Einführung bilden die jüngsten Kontroversen der 2020er Jahre nach dem russischen Überfall auf die Ukraine und dem Terroranschlag der Hamas auf Israel eine Art Klammer um die frühere Konzeptbildung der Postcolonial Studies.“

Der Band erscheint in der Reihe „intro: Literaturwissenschaft“ und berücksichtigt innereuropäische Kolonialismen von Bosnien bis Russland genauso, wie er ukrainische Dekolonisierungsdebatten umreißt und die postkoloniale Israel-Gaza-Kontroverse beleuchtet.

Wir waren überrascht, wie groß die Schnittmengen zwischen ganz unterschiedlichen Kontexten und Ländern sind. Es ist mit den Händen zu greifen, dass die Phase des Kolonialismus mit der Dekolonisierung nach dem Zweiten Weltkrieg mitnichten vorüber ist, sondern dass imperiale und rassistische Denkmuster immer wieder und weiter hochgespült werden.

Prof. Dr. Dirk Uffelmann und Prof. Dr. Paweł Zajas